Cereya-LogoCereyakognitives Funktionieren
Ratgeber6 Min. Lesezeit

AuDHD bei Erwachsenen: wenn Autismus und ADHS zusammen auftreten

Autismus und ADHS gemeinsam verstehen: Überschneidungen, Alltag und Abklärung. AuDHD ist keine dritte Diagnose und kein gemeinsamer Testwert.

Zwei unterschiedliche Wege zur Einordnung eigener Beobachtungen

Cereya-Ratgeber

Autismus und ADHS gemeinsam verstehen: Überschneidungen, Alltag und Abklärung. AuDHD ist keine dritte Diagnose und kein gemeinsamer Testwert.

EinordnungVerstehenAlltagVertiefung

AuDHD bezeichnet das gemeinsame Auftreten von Autismus und ADHS bei derselben Person. Beide sind eigenständige neurologische Entwicklungsstörungen. AuDHD – im Deutschen auch AuDHS genannt – ist eine gebräuchliche Kurzbezeichnung, keine dritte, unabhängige Diagnose. Wer sich in beiden Beschreibungen wiederfindet, hat damit einen Anlass zur Reflexion, aber noch keine fachliche Abklärung. [1, 2]

Im Erwachsenenalter entsteht die Frage manchmal durch scheinbare Widersprüche: Ein genauer Tagesplan gibt Sicherheit, lässt sich aber schwer einhalten. Neue Projekte begeistern, während die nötige Organisation erschöpft. Ein Treffen gelingt nach außen gut, kostet anschließend jedoch viel Erholung. Solche Erfahrungen sind nicht spezifisch für AuDHD. Dieser Ratgeber hilft, sie genauer zu beschreiben und einen passenden nächsten Schritt zu wählen.

Autismus und ADHS: Was bedeutet eine Doppeldiagnose?

Der Ausdruck AuDHD verbindet „autism“ mit dem englischen Kürzel „ADHD“. Auch die American Psychiatric Association verwendet ihn für das gemeinsame Auftreten. Fachlich werden weiterhin Autismus und ADHS jeweils geprüft. Eine bereits bestehende Diagnose schließt die Untersuchung der anderen Fragestellung nicht aus, wenn die persönliche Entwicklung und die heutigen Schwierigkeiten dafür sprechen. [1, 2]

Die Expertengruppe um Young beschreibt, weshalb die Abklärung bei gemeinsamem Auftreten anspruchsvoll sein kann. Entwicklungsgeschichte, Lebensbereiche und weitere mögliche Erkrankungen gehören dazu. Der Beitrag ist ein fachlicher Konsens und keine Validierung eines AuDHD-Tests. Häufigkeitsangaben aus bestimmten Altersgruppen oder spezialisierten Ambulanzen lassen sich nicht in eine persönliche Wahrscheinlichkeit umrechnen. [3]

„Doppeldiagnose ADHS und Autismus“ beschreibt deshalb keine einheitliche Persönlichkeit. Unterstützung, Fähigkeiten und Schwierigkeiten unterscheiden sich auch zwischen Menschen, bei denen beides fachlich festgestellt wurde.

Autismus oder ADHS: Ähnliches Verhalten kann verschiedene Hintergründe haben

Jemand fällt in einer Besprechung ins Wort. Vielleicht ist es schwer, einen Impuls zurückzuhalten. Vielleicht bleibt unklar, wann ein Gesprächsbeitrag erwartet wird. Vielleicht droht der eigene Gedanke verloren zu gehen. Auch mehrere Aspekte können zusammenwirken. Das sichtbare Verhalten entscheidet nicht allein über seine Erklärung.

Überschneidungen können Aufmerksamkeit, soziale Situationen und die Steuerung von Handlungen betreffen. Eine ausgeprägte Reizempfindlichkeit beweist für sich genommen keinen Autismus. Ebenso lässt sich aus intensiver Konzentration auf ein Interesse keine sichere Zuordnung ableiten. Fachpersonen betrachten Zusammenhänge über Zeit und Lebensbereiche hinweg. [2, 3]

Für eine erste Beschreibung helfen beispielsweise diese Fragen:

  • Was war unmittelbar vorher los: Lärm, eine unklare Aufgabe, eine Unterbrechung oder eine unerwartete Änderung?

  • Worin lag die Schwierigkeit: anfangen, den Faden behalten, eine unausgesprochene Erwartung verstehen oder Reize verarbeiten?

  • Was hat geholfen, und wann trat das Problem trotz einer ähnlichen Aufgabe nicht auf?

Diese Fragen sind keine Anleitung zur Selbstdiagnose. Der ergänzende Ratgeber zu Autismus und ADHS konzentriert sich auf die Unterschiede und Überschneidungen.

Struktur brauchen und trotzdem Abwechslung suchen

Manche Menschen beschreiben ein Spannungsfeld zwischen Vorhersehbarkeit und Neuem. Ein vertrauter Ablauf entlastet, während seine Wiederholung schwerfällt oder langweilig wird. Eine spontane Idee weckt Interesse, bringt aber zugleich ungeplante Übergänge mit sich. Solche Beispiele sind mögliche Erfahrungen und keine zusätzlichen Diagnosekriterien für AuDHD.

Ein alltagsnaher Versuch kann darin bestehen, einen stabilen Rahmen mit etwas Wahlfreiheit zu verbinden: derselbe Ort für die Tagesplanung, aber zwei mögliche Reihenfolgen der Aufgaben. Oder ein freies Zeitfenster für Änderungen, damit nicht jede Abweichung den gesamten Plan verschiebt. Ob das hilft, muss individuell geprüft werden; es ist kein wissenschaftlich etablierter Behandlungsplan für AuDHD.

Achten Sie auch auf den Aufwand einer vermeintlichen Hilfe. Viele Erinnerungen können selbst zur Ablenkung werden. Ein einziger sichtbarer Hinweis für eine konkrete Handlung kann leichter nutzbar sein als ein komplexes Planungssystem. Der Ratgeber zu Exekutivfunktionen vertieft diese Prozesse, ohne sie automatisch einer Diagnose zuzuordnen.

Soziale Situationen und Reize: den Aufwand hinter der Leistung wahrnehmen

An einem Gruppengespräch teilnehmen zu können sagt wenig darüber, wie viel Anstrengung damit verbunden war. Vielleicht werden Gesprächswechsel bewusst überwacht, Hintergrundgeräusche ausgeblendet und Antworten vorbereitet. Vielleicht belasten vor allem Unterbrechungen und mehrere gleichzeitig zu merkende Informationen. Beobachtbare Schwierigkeiten und gelernte Ausgleichsstrategien gehören gemeinsam in die Betrachtung. [3]

Eine hilfreiche Notiz könnte lauten: „Eine Stunde Besprechung mit sechs Personen und Nebengesprächen. Die letzte Aufgabe habe ich verpasst; mit einer schriftlichen Zusammenfassung konnte ich weiterarbeiten.“ Daraus lassen sich konkretere Fragen ableiten als aus „Ich kann nicht mit anderen arbeiten“.

Anpassung ist nicht grundsätzlich schädlich. Manche Strategien sind bewusst gewählt und nützlich, andere kosten sehr viel Kraft. Ob und wie sie verändert werden, hängt auch von Sicherheit, Umfeld und eigenen Wünschen ab. Im Ratgeber zu Masking geht es ausführlicher um diese Abwägung.

Zwei Selbsteinschätzungen ergeben keine gemeinsame Diagnose

Ein Online-Fragebogen ordnet Antworten unter bestimmten Bedingungen. Auffällige Hinweise in zwei Verfahren belegen keine gemeinsame Ursache und bestätigen keine Doppeldiagnose. Wenig ausgeprägte Hinweise reichen umgekehrt nicht aus, um relevante Schwierigkeiten auszuschließen. Die professionelle Beurteilung berücksichtigt mehr als einzelne Fragebogenwerte. [3, 4]

Cereya bietet hier keinen AuDHD-Test und keinen gemeinsamen AuDHD-Score an. Die vorhandenen Verfahren zu ADHS und Autismus bleiben getrennt. Sie sind auch keine Voraussetzung für eine fachliche Beratung. Wenn bereits eine Diagnose besteht und es um konkrete Unterstützung geht, kann ein Gespräch über Bedürfnisse hilfreicher sein als weitere Selbsttests.

Der Ratgeber über Fragebogen, Screening, Abklärung und Diagnose erklärt die unterschiedlichen Aussagegrenzen.

Welche Fragestellung steht für Sie im Vordergrund?

Aufmerksamkeit, Organisation oder Impulsivität

Wenn sich diese Schwierigkeiten in unterschiedlichen Situationen wiederholen und Sie Ihre Beobachtungen ordnen möchten, können Sie die Cereya-Selbsteinschätzung zu ADHS bei Erwachsenen erkunden. Die Ergebnisse informieren, stellen aber keine Diagnose.

Soziale Kommunikation, Flexibilität oder Reizverarbeitung

Wenn Sie vor allem über soziale Situationen, Veränderungen, sensorische Besonderheiten und Anpassungsaufwand nachdenken, kann die Cereya-Selbsteinschätzung zu Autismus bei Erwachsenen eine Orientierung bieten. Sie ersetzt keine klinische Untersuchung.

Beide Beschreibungen passen zu Ihrer Frage

Sie können beide Dimensionen getrennt und in Ihrem eigenen Tempo betrachten. Bewahren Sie Ergebnisse als zwei unterschiedliche Reflexionshilfen mit ihrem jeweiligen Kontext auf. Bilden Sie keinen Mittelwert und betrachten Sie den höheren Wert nicht automatisch als wichtigere Erklärung. Ein fachliches Gespräch kann anschließend beide Fragen gemeinsam aufgreifen.

Eine Abklärung in Deutschland vorbereiten

Hilfreich sind wenige konkrete Beispiele aus verschiedenen Lebensphasen und Bereichen: Ausbildung, Beruf, Beziehungen oder Haushalt. Beschreiben Sie Auswirkungen, hilfreiche Bedingungen und bisherige Strategien. Informationen aus der Kindheit können wichtig sein; wenn Zeugnisse oder Bezugspersonen fehlen, besprechen Sie das mit der untersuchenden Fachperson. [3]

Als erster Kontakt kommt beispielsweise die hausärztliche Praxis infrage. Erkundigen Sie sich bei einer spezialisierten psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis beziehungsweise Ambulanz, ob dort sowohl ADHS als auch Autismus im Erwachsenenalter abgeklärt werden und welche Unterlagen benötigt werden. Zuständigkeit, Aufnahmebedingungen und Wartezeiten unterscheiden sich. Französische Anlaufstellen wie die MDPH sind keine deutschen Versorgungsangebote.

Bei neuer starker Erschöpfung, Schlafproblemen oder erheblicher seelischer Belastung ist eine eigenständige Abklärung sinnvoll. Unterstützung im Alltag muss nicht warten, bis geklärt ist, ob der Begriff AuDHD die persönliche Situation beschreibt.

Quellen und Aussagegrenzen

Die Alltagssituationen und Beobachtungsfragen sind redaktionelle Beispiele, keine diagnostischen Kriterien oder Therapieanleitung. Die Quellen begründen das gemeinsame Auftreten zweier eigenständiger Störungen und die Grenzen einer Selbstbeurteilung.

  1. American Psychiatric Association (2025). When Autism and ADHD Occur Together. Institutionelle Information zur Bezeichnung AuDHD.

  2. Maison de l’Autisme. Autisme et TDAH : quand les troubles coexistent. Französische öffentliche Information; Angaben zu Kindern werden hier nicht auf Erwachsene übertragen.

  3. Young S. et al. (2020). Guidance for identification and treatment of individuals with ADHD and ASD based upon expert consensus. BMC Medicine, 18, 146. Fachlicher Konsens für mehrere Altersgruppen.

  4. Maison de l’Autisme. Guide des parcours de diagnostic d’autisme. Grenzen der Selbstdiagnose; die französischen Versorgungswege werden nicht auf Deutschland übertragen.