Vier Orientierungspunkte zur Studie
Der Beitrag untersucht aufgezwungene Unterbrechungen bei einer genau definierten Aufgabe. Er misst weder jede Form von Ablenkung noch eine allgemeine Aufmerksamkeitsfähigkeit.
Unterbrechung
Eine externe Kontaktaufnahme verlangte eine sofortige Antwort, bevor die E-Mail-Aufgabe fortgesetzt wurde.
Kontext
Die Unterbrechungsfrage betraf entweder Personalwesen oder ein anderes Thema.
Kompensation
Unter Unterbrechungen schienen die Teilnehmenden ihr Arbeitstempo zu erhöhen.
Subjektive Kosten
Mentale Belastung, Stress, Frustration, Zeitdruck und Aufwand wurden nach jedem Block bewertet.
Berichtete Hauptergebnisse
Bearbeitungszeit, Nachrichtenlänge, Fehler, Höflichkeit und mehrere subjektive Bewertungen wurden zwischen den Bedingungen verglichen.
Ohne Unterbrechungsdauer beendeten die Teilnehmenden die unterbrochenen E-Mail-Blöcke schneller und schrieben etwas kürzere Nachrichten.
Für Fehlerzahl und Höflichkeit der Nachrichten wurde in diesem Protokoll kein statistisch bedeutsamer Unterschied festgestellt.
Unterbrechungen gingen mit mehr berichteten Belastungen durch Stress, Frustration, Zeitdruck und Aufwand einher.
Die drei Bedingungen vergleichen
Alle Teilnehmenden bearbeiteten die drei Unterbrechungsbedingungen in ausbalancierter Reihenfolge. Telefon oder Instant Messaging bildeten einen zusätzlichen Faktor.
Ohne Unterbrechung
- Experimentelle Situation
- Längste direkte Bearbeitungszeit in diesem Experiment
- Zeitliches Ergebnis
- Zwölf E-Mails ohne Kontaktaufnahme durch die Versuchsleitung beantworten
- Erlebte Belastung
- Vergleichsbasis für die subjektiven Maße
- Grenze
- Kein allgemeines Produktivitätsmaß
Gleicher Kontext
- Experimentelle Situation
- Kürzere direkte Bearbeitungszeit als in der Vergleichsbedingung
- Zeitliches Ergebnis
- Fragen der Versuchsleitung aus dem Bereich Personalwesen
- Erlebte Belastung
- Mehr Stress, Frustration, Zeitdruck und Aufwand als ohne Unterbrechung
- Grenze
- Gleiches Thema bedeutete nicht dieselbe konkrete Operation
Anderer Kontext
- Experimentelle Situation
- Direkte Bearbeitungszeit ähnlich wie bei gleichem Kontext
- Zeitliches Ergebnis
- Fragen zu einem anderen Thema als Personalwesen
- Erlebte Belastung
- In einzelnen Vergleichen besonders hohe mentale Belastung
- Grenze
- Ein allgemeiner Vorteil thematisch ähnlicher Unterbrechungen wurde nicht belegt
Das Protokoll in drei Dimensionen
Die Untersuchung verbindet den Kontext der Unterbrechung, das Kommunikationsmedium und mehrere Leistungs- oder Belastungsmaße.
Eine kontrollierte Simulation
- Zweck
- Dieselben Personen in drei Unterbrechungsbedingungen vergleichen
- Zielgruppe
- 48 Personen, überwiegend Studierende in Deutschland
- Kontext
- Experiment in einem Universitätslabor
- Fachperson
- Keine individuelle Schlussfolgerung
- Grenzen
- Kleine Stichprobe und geringe Repräsentativität für die Arbeitswelt
Simulierte E-Mail-Arbeit
- Zweck
- Eine konkretere Informationsaufgabe als abstrakte Wechselaufgaben nachbilden
- Zielgruppe
- Simulierte berufliche E-Mails schnell, richtig und höflich beantworten
- Kontext
- Fiktive Rolle im Personalwesen mit Informationsblatt
- Fachperson
- Messung auf die definierten Kriterien begrenzt
- Grenzen
- Unterbrechungszeiten wurden von der analysierten Hauptaufgabenzeit abgezogen
Zwei Medien und zwei Inhalte
- Zweck
- Prüfen, ob Kontext und Medium die Unterbrechungskosten verändern
- Zielgruppe
- Telefon oder Instant Messaging, gleicher oder anderer Kontext
- Kontext
- Kontaktaufnahmen ungefähr alle zwei Minuten mit sofortiger Antwort
- Fachperson
- Interpretation auf das Protokoll begrenzt
- Grenzen
- Aufgezwungene Unterbrechung unterscheidet sich von einer gewählten Pause
Einordnung
Die Studie einordnen, ohne Geschwindigkeit zu überschätzen
Cereya stellt ein unerwartetes experimentelles Ergebnis zusammen mit seinen subjektiven Kosten und Grenzen dar.
Was Cereya bietet
- Versuchsablauf, Messgrößen und beobachtete Ergebnisse beschreiben.
- Bearbeitungszeit, gemessene Qualität und subjektive Belastung unterscheiden.
- Die Studie mit dem Cereya-Ratgeber zu begonnenen und unterbrochenen Vorhaben verbinden.
Was Cereya nicht tut
- Behaupten, Unterbrechungen würden Produktivität verbessern.
- Ein kurzes Experiment auf jede Arbeitsorganisation übertragen.
- Stress oder Ablenkbarkeit in eine diagnostische Schlussfolgerung umdeuten.
Warum „schneller“ nicht „ohne Kosten“ bedeutet
Die reine Bearbeitungszeit, aus der die Unterbrechungsdauer herausgerechnet wurde, war unter Unterbrechungen kürzer. Die Autoren deuten dies als kompensatorische Beschleunigung: Die Teilnehmenden rechneten mit Zeitverlust und passten ihr Arbeitstempo an. Gleichzeitig waren ihre Nachrichten etwas kürzer. Die subjektiven Bewertungen zeigten dagegen mehr Stress, Frustration, Zeitdruck und Aufwand. Das sichtbare Arbeitsergebnis beschreibt das Erleben der Aufgabe daher nicht vollständig.
Die analysierte E-Mail-Bearbeitungszeit enthielt nicht die Zeit, die für Unterbrechungen aufgewendet wurde.
Keine festgestellten Unterschiede bei Fehlern oder Höflichkeit bedeuten nicht identische Qualität nach jedem denkbaren Arbeitskriterium.
Beschleunigung in einem kurzen Experiment sagt nichts über die langfristige Tragfähigkeit an einem realen Arbeitstag aus.
Kompensatorische Beschleunigung statt nützlicher Unterbrechung
Die Autoren folgern, dass Unterbrechungen Arbeitsrhythmus und subjektiven Zustand verändern. Im Versuch antworteten die Teilnehmenden schneller und mit weniger Wörtern; bei Fehlerzahl und Höflichkeit wurde kein statistisch bedeutsamer Unterschied festgestellt. Diese Kompensation ging mit stärker wahrgenommener Belastung einher. Unterbrechungen mit gleichem und anderem Kontext unterschieden sich nicht eindeutig in der Bearbeitungszeit. Daraus folgt nicht, dass der Inhalt jeder Unterbrechung bedeutungslos ist: Verglichen wurden verschiedene Themen innerhalb desselben Aufgabentyps und über einen kurzen Zeitraum.
Das überraschende Zeitergebnis wird als Veränderung von Strategie und Arbeitstempo interpretiert.
Die subjektiven Maße zeigen, dass aufrechterhaltene Leistung mit Kosten verbunden sein kann, die im Endergebnis nicht sichtbar sind.
Das Protokoll isoliert nicht sekundengenau die Wiederaufnahmezeit unmittelbar nach jeder Unterbrechung.
Grenzen von Bewertungen
Grenzen der Übertragbarkeit
Die Studie informiert über eine kurze, kontrollierte Versuchssituation. Sie beschreibt nicht automatisch kumulative Effekte eines Arbeitstags, selbst gewählte Unterbrechungen oder sämtliche Berufe.
- Die 48 überwiegend studierenden Teilnehmenden repräsentieren nicht die gesamte Erwerbsbevölkerung.
- Die simulierte Rolle im Personalwesen und die E-Mail-Blöcke bilden nicht alle Anforderungen realer Arbeit ab.
- Die Autoren können nicht sagen, ob sich Menschen über längere Zeit anpassen oder ob die Belastung weiter zunimmt.
- Eine Reaktion auf Unterbrechungen ist weder Aufmerksamkeitstest noch Hinweis auf ADHS oder ein anderes Profil.
Originalpublikation
Die Quellenangabe bewahrt den englischen bibliografischen Titel und führt über den DOI zur Association for Computing Machinery.
- Mark, G., Gudith, D., & Klocke, U. (2008). The Cost of Interrupted Work: More Speed and Stress. Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems, 107–110. DOI: 10.1145/1357054.1357072.Quelle ansehen
Letzte redaktionelle Aktualisierung: 13. August 2026.


