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Mark, Gudith und Klocke – Kosten von Arbeitsunterbrechungen

Dieses Laborexperiment zeigt, dass eine schnellere Bearbeitung unter Unterbrechungen einen subjektiven Preis durch Stress, Frustration, Aufwand und Zeitdruck verdecken kann.

Bei einer simulierten E-Mail-Aufgabe kompensierte höheres Tempo die Unterbrechungen, während die wahrgenommene Belastung zunahm.

Messung

Definiertes Ziel

Kontext

Dokumentierte Anwendung

Einordnung

Begrenzte Reichweite

Quellen

Überprüfbare Orientierung

Illustration zur Seite Mark, Gudith und Klocke – Kosten von Arbeitsunterbrechungen

Referenzressource

Messungen, Anwendungen und Grenzen werden vor jeder Einordnung unterschieden.

Messung
Kontext
Grenzen
Quellen
ReferenzressourceAktualisiert am 13. August 2026

Unterbrochene Arbeit in einer Bürosimulation beobachten

Gloria Mark, Daniela Gudith und Ulrich Klocke führten ein Experiment mit 48 Personen durch; 81 Prozent waren deutsche Studierende, das Durchschnittsalter lag bei 26 Jahren. In einem Universitätslabor übernahmen sie die Rolle einer Personalverantwortlichen oder eines Personalverantwortlichen und beantworteten Blöcke mit jeweils zwölf E-Mails. Sie arbeiteten ohne Unterbrechung, mit Unterbrechungen aus demselben Kontext oder mit Fragen zu einem anderen Thema. Die Kontaktaufnahmen per Telefon oder Instant Messaging erfolgten ungefähr alle zwei Minuten und sollten sofort beantwortet werden.

Vier Orientierungspunkte zur Studie

Der Beitrag untersucht aufgezwungene Unterbrechungen bei einer genau definierten Aufgabe. Er misst weder jede Form von Ablenkung noch eine allgemeine Aufmerksamkeitsfähigkeit.

Unterbrechung

Eine externe Kontaktaufnahme verlangte eine sofortige Antwort, bevor die E-Mail-Aufgabe fortgesetzt wurde.

Kontext

Die Unterbrechungsfrage betraf entweder Personalwesen oder ein anderes Thema.

Kompensation

Unter Unterbrechungen schienen die Teilnehmenden ihr Arbeitstempo zu erhöhen.

Subjektive Kosten

Mentale Belastung, Stress, Frustration, Zeitdruck und Aufwand wurden nach jedem Block bewertet.

Berichtete Hauptergebnisse

Bearbeitungszeit, Nachrichtenlänge, Fehler, Höflichkeit und mehrere subjektive Bewertungen wurden zwischen den Bedingungen verglichen.

01

Ohne Unterbrechungsdauer beendeten die Teilnehmenden die unterbrochenen E-Mail-Blöcke schneller und schrieben etwas kürzere Nachrichten.

02

Für Fehlerzahl und Höflichkeit der Nachrichten wurde in diesem Protokoll kein statistisch bedeutsamer Unterschied festgestellt.

03

Unterbrechungen gingen mit mehr berichteten Belastungen durch Stress, Frustration, Zeitdruck und Aufwand einher.

Die drei Bedingungen vergleichen

Alle Teilnehmenden bearbeiteten die drei Unterbrechungsbedingungen in ausbalancierter Reihenfolge. Telefon oder Instant Messaging bildeten einen zusätzlichen Faktor.

Ohne Unterbrechung

Experimentelle Situation
Längste direkte Bearbeitungszeit in diesem Experiment
Zeitliches Ergebnis
Zwölf E-Mails ohne Kontaktaufnahme durch die Versuchsleitung beantworten
Erlebte Belastung
Vergleichsbasis für die subjektiven Maße
Grenze
Kein allgemeines Produktivitätsmaß

Gleicher Kontext

Experimentelle Situation
Kürzere direkte Bearbeitungszeit als in der Vergleichsbedingung
Zeitliches Ergebnis
Fragen der Versuchsleitung aus dem Bereich Personalwesen
Erlebte Belastung
Mehr Stress, Frustration, Zeitdruck und Aufwand als ohne Unterbrechung
Grenze
Gleiches Thema bedeutete nicht dieselbe konkrete Operation

Anderer Kontext

Experimentelle Situation
Direkte Bearbeitungszeit ähnlich wie bei gleichem Kontext
Zeitliches Ergebnis
Fragen zu einem anderen Thema als Personalwesen
Erlebte Belastung
In einzelnen Vergleichen besonders hohe mentale Belastung
Grenze
Ein allgemeiner Vorteil thematisch ähnlicher Unterbrechungen wurde nicht belegt

Das Protokoll in drei Dimensionen

Die Untersuchung verbindet den Kontext der Unterbrechung, das Kommunikationsmedium und mehrere Leistungs- oder Belastungsmaße.

StichprobeExperimentelle Studie

Eine kontrollierte Simulation

Zweck
Dieselben Personen in drei Unterbrechungsbedingungen vergleichen
Zielgruppe
48 Personen, überwiegend Studierende in Deutschland
Kontext
Experiment in einem Universitätslabor
Fachperson
Keine individuelle Schlussfolgerung
Grenzen
Kleine Stichprobe und geringe Repräsentativität für die Arbeitswelt
AufgabeZwölf E-Mails je Bedingung

Simulierte E-Mail-Arbeit

Zweck
Eine konkretere Informationsaufgabe als abstrakte Wechselaufgaben nachbilden
Zielgruppe
Simulierte berufliche E-Mails schnell, richtig und höflich beantworten
Kontext
Fiktive Rolle im Personalwesen mit Informationsblatt
Fachperson
Messung auf die definierten Kriterien begrenzt
Grenzen
Unterbrechungszeiten wurden von der analysierten Hauptaufgabenzeit abgezogen
Unterbrechungen3 × 2 faktorielles Design

Zwei Medien und zwei Inhalte

Zweck
Prüfen, ob Kontext und Medium die Unterbrechungskosten verändern
Zielgruppe
Telefon oder Instant Messaging, gleicher oder anderer Kontext
Kontext
Kontaktaufnahmen ungefähr alle zwei Minuten mit sofortiger Antwort
Fachperson
Interpretation auf das Protokoll begrenzt
Grenzen
Aufgezwungene Unterbrechung unterscheidet sich von einer gewählten Pause

Einordnung

Die Studie einordnen, ohne Geschwindigkeit zu überschätzen

Cereya stellt ein unerwartetes experimentelles Ergebnis zusammen mit seinen subjektiven Kosten und Grenzen dar.

Was Cereya bietet

  • Versuchsablauf, Messgrößen und beobachtete Ergebnisse beschreiben.
  • Bearbeitungszeit, gemessene Qualität und subjektive Belastung unterscheiden.
  • Die Studie mit dem Cereya-Ratgeber zu begonnenen und unterbrochenen Vorhaben verbinden.

Was Cereya nicht tut

  • Behaupten, Unterbrechungen würden Produktivität verbessern.
  • Ein kurzes Experiment auf jede Arbeitsorganisation übertragen.
  • Stress oder Ablenkbarkeit in eine diagnostische Schlussfolgerung umdeuten.

Warum „schneller“ nicht „ohne Kosten“ bedeutet

Die reine Bearbeitungszeit, aus der die Unterbrechungsdauer herausgerechnet wurde, war unter Unterbrechungen kürzer. Die Autoren deuten dies als kompensatorische Beschleunigung: Die Teilnehmenden rechneten mit Zeitverlust und passten ihr Arbeitstempo an. Gleichzeitig waren ihre Nachrichten etwas kürzer. Die subjektiven Bewertungen zeigten dagegen mehr Stress, Frustration, Zeitdruck und Aufwand. Das sichtbare Arbeitsergebnis beschreibt das Erleben der Aufgabe daher nicht vollständig.

01

Die analysierte E-Mail-Bearbeitungszeit enthielt nicht die Zeit, die für Unterbrechungen aufgewendet wurde.

02

Keine festgestellten Unterschiede bei Fehlern oder Höflichkeit bedeuten nicht identische Qualität nach jedem denkbaren Arbeitskriterium.

03

Beschleunigung in einem kurzen Experiment sagt nichts über die langfristige Tragfähigkeit an einem realen Arbeitstag aus.

Kompensatorische Beschleunigung statt nützlicher Unterbrechung

Die Autoren folgern, dass Unterbrechungen Arbeitsrhythmus und subjektiven Zustand verändern. Im Versuch antworteten die Teilnehmenden schneller und mit weniger Wörtern; bei Fehlerzahl und Höflichkeit wurde kein statistisch bedeutsamer Unterschied festgestellt. Diese Kompensation ging mit stärker wahrgenommener Belastung einher. Unterbrechungen mit gleichem und anderem Kontext unterschieden sich nicht eindeutig in der Bearbeitungszeit. Daraus folgt nicht, dass der Inhalt jeder Unterbrechung bedeutungslos ist: Verglichen wurden verschiedene Themen innerhalb desselben Aufgabentyps und über einen kurzen Zeitraum.

01

Das überraschende Zeitergebnis wird als Veränderung von Strategie und Arbeitstempo interpretiert.

02

Die subjektiven Maße zeigen, dass aufrechterhaltene Leistung mit Kosten verbunden sein kann, die im Endergebnis nicht sichtbar sind.

03

Das Protokoll isoliert nicht sekundengenau die Wiederaufnahmezeit unmittelbar nach jeder Unterbrechung.

Originalpublikation

Die Quellenangabe bewahrt den englischen bibliografischen Titel und führt über den DOI zur Association for Computing Machinery.

  1. Mark, G., Gudith, D., & Klocke, U. (2008). The Cost of Interrupted Work: More Speed and Stress. Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems, 107–110. DOI: 10.1145/1357054.1357072.Quelle ansehen

Letzte redaktionelle Aktualisierung: 13. August 2026.

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